Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor.

Part 3: Warum wir bodenständig sind.

Nach welchen Kriterien wählt ihr eigentlich aus, in welcher Einkaufsstätte ihr eure täglichen Brötchen samt dazugehörigem Aufstrich kauft? Nach der dort vorhandenen Auswahl? Nach den Preisen? Nach der Freundlichkeit des Personals? Wo es am besten schmeckt?

Für uns zählt nur die Größe – die Größe der Tür, der Gänge und der Aufzüge. Barrierefreiheit ist ein großes Thema, und glücklicherweise hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren einiges getan. Es gibt generationenfreundliche Kaufhäuser, (fast) ebenerdige Straßenbahnen und Rampen neben den Fußgängertreppen. Trotzdem sieht sich manch frischgebackenes Zwillingselternteil beim Einkaufen mit den Zwergen vor schier unlösbare Aufgaben gestellt.

Immer wieder gerne bringe ich an dieser Stelle die Anekdote meines ersten und letzten Einkaufs im hiesigen Rewe-Markt an. Ich dränge mich mit dem breiten Kinderwagen durch die fürchterlich engen Gänge, schlängel mich an Aufstellern vorbei, passe auf, dass die Jungs links und rechts nichts mopsen, parke sie in einem freien Eckchen und besorge schnell den nötigsten Kram. Ab zur Kasse, schnell bezahlen. Leider komme ich nicht zur Kasse, keine Chance. Die Gänge sind derart zugestellt, dass man mit einem Gefährt, das auch nur geringfügig breiter ist als ein Einkaufswagen, nicht zur Kasse kommt. Nach zwei vergeblichen Runden durch den Markt räume ich alles wieder zurück in die Regale, verlasse das Geschäft gefrustet und gehe woanders einkaufen.

Wenn man Zwillinge hat, bekommt man schnell heraus, bei welchem Bäcker sich die Schiebetür von selbst öffnet (man braucht nämlich nicht zu denken, dass einem noch irgendwer die Tür aufhält), bei welchem Lebensmittelmarkt wir durch den Kassenbereich passen (wir sind auch schon stecken geblieben) und in welchen Kaufhäusern wir per Aufzug alle Etagen erreichen können (…versuche NIEMALS mit einem Zwillingswagen auf eine Rolltreppe zu gehen.. Nein, niemals!) Ansonsten gibt es nämlich für uns nur eine Möglichkeit: Life on the first floor, wir müssen im Erdgeschoss bleiben, solange dieses barrierefrei zu erreichen ist. Kann man einen langweiligen Standard-Einlingskinderwagen noch flugs ein paar Stufen hochtragen, sieht das bei unserem Überbreitefahrzeug schon anders aus, als Frau alleine gestaltet sich das Ganze noch einmal schwieriger. An dieser Stelle sei auch anzumerken, dass ich genau aus diesem Grund noch nie mit meinen Jungs Zug gefahren bin – ich komme die Stufen unserer Bahnhofsunterführung weder hoch noch runter.

Das hält uns aber nicht davon ab, Ausflüge zu unternehmen. Was wir so machen und warum es nervenschonender ist, in ein Café zu gehen anstatt ins Restaurant, das erkläre ich euch in der nächsten Episode.

Eure Marie

4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • life on the first floor… oh man das klingt stressig! Aber immerhin hörts für dich wieder auf, wenn die Jungs laufen können. Dein post hat mich erschreckt, ich hätte nicht gedacht, dass so immernoch so wenige Ort barrierenfrei sind.
    Sehr interessant und schöner stil :)

  • Endlich habe ich die Kommentarfunktion gefunden :D
    Ganz klein , da hab ich es andauernd übersehen und verzweifelt versucht auf deinen Beitrag zu klicken in der Hoffnung er würde sich dann in einem Fenster noch mal einzeln öffnen , aber nun habe ich es geschafft. hinsehen hilft ;)

    Ich liebe deinen Schreibstil , er ist amüsant und man kann sich richtig hinein fühlen ! Ich habe erst nicht verstanden wen du mir wir ( anfang des textes ) meinst und warum türen und ihre breite für euch eine bedeutung haben , erst als du mit eingebracht hast das der kinderwagen sonst nicht durchpasst war es mir wieder klar ( es liegt wohl einafch daran das ich deinen blog sonst nicht so kenne….. )

    mach weiter so und schreibe viele schöne texte.
    lg :)

  • Echt toll geschrieben! hab alles durchgelesen und hoffe nun, dass ich, wenn ich mal Kinder bekomme, keine Zwillinge bekomme!
    Nichts gegen Zwillinge, aber das ist schon ein wenig abschreckend ;)

    kuss, Susi

  • Klar… Für behinderte Leute ist es auch nicht einfach. Darüber denkt man als Mensch ohne Kinder oder als gesunder Mensch gar nicht groß nach. Und Männer helfen sehr selten beim Kinderwagenschleppen. Meist sind es leider Frauen, die Hilfe anbieten…

    lg
    Esra

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