„Weißhäupter“ im Hörsaal

Neulich saß ich im schönen Café Pavillon der Uni Kassel, als sich ein älterer Herr mit grauen Haaren zu mir gesellte. Er trank seinen Kaffee, las Zeitung und erzählte mir, seine nächste Veranstaltung beginne erst um 18 Uhr und er habe jetzt Pause. „Aha“, dachte ich mir, „das ist wohl ein Professor.“

Auch ich hatte eine Veranstaltung um 18 Uhr, eine Politikvorlesung. Im Hörsaal angekommen, traf ich den netten Herrn wieder – in der Mitte des Saals sitzend, zwischen all den Studis. Füller und Papier lagen zur Mitschrift bereit, der beste Platz war gesichert. Er hatte es sich dort wohl schon länger gemütlich gemacht, der Hörsaal war bereits rappelvoll. Wer später als eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn eintrudelte, musste mit einem Platz auf der Treppe vorlieb nehmen.

Immer öfter sehe ich Senioren im Hörsaal, Gruppen von Opis und ältere Ehepaare beuschen Vorlesungen über politische Theorie und Mediävistik, anstatt sich vorm heimischen Fernseher die Schlagerparade der Volksmusik zu Gemüte zu führen. Schön, wenn das Motto „Lebenslanges Lernen – man lernt nie aus“ so konkret umgesetzt wird!

Aber wenn der Otto-Normal-Kommilitone wegen Prüfungsamt-Termin, langer Mensa-Schlange und Überziehen der letzten Sitzung kurz vor knapp zur klausurrelevanten Vorlesung erscheint und keinen vernünftigen Sitzplatz findet, weil Senioren die Logenplätze belagern… dann ist das manchmal ärgerlich. Oder?

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