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Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor.

Part 5: Öffentlichkeitsarbeit

Gestern war es wieder so weit, gestern war wieder einer der verdammten Tage. Frühlingsmarkt hatte sich in unserem Städtchen angekündigt, mit allem drum und dran. Buden, Stände, Karussell und Hüpfburg, verkaufsoffener Sonntag und natürlich viele, viele Menschen. Bei Gott, ich habe keine Ahnung, aus welchen Löchern all diese Menschen kommen, die sich bei verkaufsoffenen Sonntagen gegenseitig die Füße platt treten. Wir wohnen mitten in der Stadt, was an 363 Tagen im Jahr (in Schaltjahren sind es 364) Vorteile mit sich bringt. Einkaufsmöglichkeiten in nächster Nähe, für die Jungs immer was zu gucken und ein netter Brunnen zum Planschen vor der Haustür. An den anderen beiden anderen Tagen ist Frühjahrs- und Herbstmarkt. Da baut morgens um sieben Uhr ein Mensch mit offensichtlich indianischer (?) Abstammung seinen Stand vor unserem Küchenfenster auf und lässt bis abends um sieben Uhr Panflötenmusik in voller Lautstärke erklingen. Vor dem Rathaus spielt ein DJ  in der gleichen Zeitspanne „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ und diverse Schlager von DJ Ötzi in Dauerschleife. Ich als bekennender Currywurst-Fan kann darüber aber hinwegsehen, und so zog auch ich mit meinen Kindern durch die Menge. Schonmal einen Zwillingskinderwagen an Panflötchen, Gürteln und Schmuck aus Steinen vorbeigeschlängelt? Nein? Falls Interesse besteht: Einfach kurz vor dem nächsten Markt Bescheid geben, der oder die Erste bekommt den Zuschlag und darf den Wagen aus unserer Einfahrt herausbugsieren. Die wurde nämlich morgens um sieben Uhr gleich mit zugebaut.

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Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor.

Part 4: Wenn Engel reisen. Oder: Holiday on the first floor.

„Urlaub für alle“ lautete jüngst die Überschrift des Babyclub-Newsletters eines bekannten deutschen Drogeriemarktes. „Denn fern dem Alltag locken Entdeckungen und Erfahrungen, die Sie zu Hause nicht machen können“, hieß es weiter. Wer Kinder hat, oder besser gesagt Zwillinge, für den klingt das fast ein bisschen ironisch. Erfahrungen, die man zu Hause nicht machen kann… Vielleicht die Erfahrung, wie sich eine spanische Paella erbricht? Wie es sich anfühlt, mit Kinderfüßen in Krebse zu treten? Oder wie man mit Gestik und Mimik in der italienischen Provinz kommuniziert, dass einem soeben die Humana Hypoallergene Anfangsnahrung HA1 ausgegangen ist und man dringend zwei neue Packungen benötigt?

Nein, nicht so negativ. Auch ich spielte schon mit dem Gedanken, mit den Zwergen in Urlaub zu fahren. Natürlich nicht in weite Fernen, ich dachte eher an Länder, deren Sprache ich auch beherrsche. Um den Ernstfall zu proben, haben wir in letzter Zeit hin und wieder Ausflüge unternommen und das kuschelige Nest zu verlassen. Zu Hause hat sich eine angenehme Routine eingespielt, unser Tagesablauf ist so geregelt, dass sich alle damit wohlfühlen. Unterwegs ist das natürlich so nicht mehr möglich, aber bei Zielen rund um Fulda und in der Rhön bleibt uns immer noch der way back home – anders als im Urlaub.

Ein schnöder Restaurantbesuch kann dabei schon zu einem echten Ereignis werden. Mittlerweile sind bei uns die Zeiten vorbei, wo man zwei schlafende Kinder im Kinderwagen neben sich schaukelt und genüsslich sein Mahl verzehrt. Action muss her! Die Knirpse thronen also in ihren Hochstühlchen (sofern das gewählte Etablissement zwei funktionstüchtige Modelle besitzt), plappern vor sich her, essen die Tischdeko und schauen sich Bücher an, die Mama in weiser Voraussicht mitgenommen hat. Wir bestellen also unser Essen und warten. Dann tritt ein merkwürdiges Phänomen zu Tage: Sobald ein Teller mit dampfendem Inhalt vor mir steht, sind Bücher und Tischdeko doof. Auch Autos, Stapeltürme und Spieluhren interessieren nicht, der Löffel mit Brei wird galant zur Seite geschoben. Unruhe macht sich breit, man will raus – laufen, krabbeln, spielen. Mit etwas Glück, oder mittlerweile mit viel Wissen, kennt man Gaststätten mit tollen Spielecken. Sollte sich aber beim Blick nach links und rechts herausstellen, dass der Gastronom den Spieltrieb des Kindes mit einem ranzigen Malbuch abgedeckt sieht, bleibt nur eins: Jungs schnappen, draußen flitzen, essen kalt werden lassen. Die eventuell mitgekommene Begleitung speist also alleine. Merke: Im Urlaub wird immer nur einer satt. Und: Ein Laufställchen ist Gold wert, ich will nach Hause.

Die bessere Variante ist ein Café-Besuch. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein,  dass Kuchen nicht dampft. Oder aber ganz profan: Die kurze Wartezeit, da Kaffee und Kuchen schneller am Tisch sind als Rehkeule und Serviettenknödel. Check! Im Urlaub müsste also dank Sahnetorte und Cappuccino doch keiner verhungern. Trotz allem bin ich mir bezüglich Wegfahren unsicher, da ich den Organisationsaufwand nur schwer abschätzen kann. Zu Hause ist ja alles da – vom Windeleimer über Lieblingsspielzeug bis zur Babywippe. Was passiert, wenn ich beim Packen etwas vergesse? Bekommt den Jungs viel Sonne gut? Vertragen Sie anderes essen als Pampe à la Mama? Und wie soll das Gefährt aussehen, mit dem wir losziehen? Kinderwagen, Koffer, Zubehör… Und Insassen, das wird ein enges Ding.

Ihr seht, ein großer Urlaub mit kleinen Zwillingen ist eine nicht ganz so einfache Sache. Ich wäre auch überhaupt nicht böse drum, unsere freien Tage in diesem Jahr auf Balkonien zu verbringen. Dort ist es nämlich auch richtig schön, fette Poolparty in der Sandmuschel inklusive. Und wer sagt, dass man mit den nagelneuen Dreirädern rund um den Rathausbrunnen keine neuen Erfahrungen machen kann?!

Eure (nicht urlaubsreife)

Homie-Marie

Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor.

Part 3: Warum wir bodenständig sind.

Nach welchen Kriterien wählt ihr eigentlich aus, in welcher Einkaufsstätte ihr eure täglichen Brötchen samt dazugehörigem Aufstrich kauft? Nach der dort vorhandenen Auswahl? Nach den Preisen? Nach der Freundlichkeit des Personals? Wo es am besten schmeckt?

Für uns zählt nur die Größe – die Größe der Tür, der Gänge und der Aufzüge. Barrierefreiheit ist ein großes Thema, und glücklicherweise hat sich diesbezüglich in den vergangenen Jahren einiges getan. Es gibt generationenfreundliche Kaufhäuser, (fast) ebenerdige Straßenbahnen und Rampen neben den Fußgängertreppen. Trotzdem sieht sich manch frischgebackenes Zwillingselternteil beim Einkaufen mit den Zwergen vor schier unlösbare Aufgaben gestellt.

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Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor

Part 2: Vom Suchen und Finden des passenden Gefährts.

Für mich stand schon immer fest: Wenn ich mal ein Kind habe, dann gehen wir ganz viel raus. Bei Wind und Wetter drehen wir mit unserem luftbereiften, gut gefederten Kinderwagen Runden durch den Park und um den See, heizen übers Gelände und machen die Stadt unsicher. So weit, so gut. Dass es mal zwei Kinder gleichzeitig werden, stand damals noch nicht fest, änderte aber im Grunde nichts an meinem Vorhaben. Selbstverständlich benötigt man aber für die Umsetzung dessen einen besonderen Kinderwagen, nämlich einen mit Überbreite.

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Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor

 Part 1: „Oh, Zwillinge!“

Nach meiner bislang mehr als eineinhalb Jahre währenden Karriere als Zwillingsmutter könnte ich eigentlich schon ein ganzes Buch schreiben, aber zunächst soll ein kleiner Blogeintrag genügen.

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