FAQ – Mein Studium

Es ist vollbracht. Nach acht Jahren kann ich heute sagen: I’m done. Mein Zeugnis befindet sich im Druck, ab Oktober bin ich exmatrikuliert und dem leckeren Mensa-Essen trauere ich jetzt schon hinterher. Das Studium ist geschafft! Auf Instagram haben mich zahlreiche Fragen rund um mein Fach, die Studienorganisation, das Lernpensum und mehr erreicht, die ich heute gerne zusammenfassend in einem Blogpost beantworten möchte. Danke erst einmal für euer Interesse – zu kaum einer Sache habe ich jemals so viele Nachrichten bekommen! Das Thema scheint einen Nerv der Zeit getroffen zu haben, weswegen ich hier gerne die FAQ zu meinem Studium kläre. Legen wir also los!

Germanistik Studium

Was hast du studiert und warst du zufrieden? War das dein erstes Studium?

Ich habe zuerst einen Kombinationsbachelor mit Germanistik im Hauptfach und Politikwissenschaften im Nebenfach studiert und dann einen Master in Germanistik mit Schwerpunkt Sprachwissenschaft gemacht. Mit Germanistik war ich mehr als zufrieden – Politik hätte ich mir eher sparen können. Ich brauchte damals ein Nebenfach und da Geschichte, Philosophie und Co. nicht ganz mein Ding waren, wählte ich Politik. Tatsächlich gab es nur zwei Vorlesungen, aus denen ich wirklich etwas mitnehmen konnte – der Rest waren Seminare, in denen jede Woche ein anderer Student ein mehr schlechtes als rechtes Referat hielt. Das war mein erstes Studium, bevor ich gleich im Anschluss den Master draufsetzte. Hier fühlte ich mich so richtig wohl und bin ehrlich gesagt auch ein bisschen traurig, dass ich nun aus diesem wissenschaftlichen Duktus raus bin. Oft ist die Rede von einer großen Anonymität im Studium, was anfangs sicherlich auch der Fall ist – aber im Laufe der Zeit weiß man, wie der Hase läuft, und sucht sich seine Lehrveranstaltungen ganz gezielt aus. Da darf im Seminar auch mal mit dem Prof oder den Kommilitonen diskutiert werden, was in einer großen Vorlesung eher nicht der Fall ist. 

Hast du dich bewusst für dieses Studium entscheiden?

Ja, ich habe mich auch nur an dieser einen Uni beworben und alles auf eine Karte gesetzt. Da ich ein 1,6er Abi hatte, standen die Chancen aber ganz gut, dass ich in Kassel genommen werde. Tatsächlich war es dann auch so und ich bekam die Zusage in der ersten Runde. Vor dem Studium habe ich mich einfach gefragt, was ich gut kann, wo meine Stärken liegen und was mir Freude bereitet. Da war ganz schnell klar: Schreiben ist mein Ding, weswegen ich dann auf Germanistik stieß. Wirklich etwas darunter vorstellen konnte ich mir aber nicht. Ich hatte mir das ein bisschen wie in der Schule vorgestellt: Man liest was von Goethe und was von Brecht und analysiert das dann fein säuberlich. Tatsächlich habe ich aber schnell gecheckt, dass ich mich für Literaturwissenschaften nicht wirklich begeistern kann. Ich habe also meine Pflichtmodule belegt und bin ansonsten immer wieder in die Sprachwissenschaft abgedriftet. Aber auch hier verdichteten sich Schwerpunkte: Satzrandstrukturen analysieren und Strukturglieder von Nicht-Sätzen bestimmen, deren Namen ich bis heute schon wieder vergessen habe…? Nee, auch nicht mein Fall. Aber zu schauen, warum Sprache wie wirkt, was man mit Sprache alles anfangen kann, was eigentlich ein kommunikativ-pragmatischer Rahmen ist – das hat mich gefesselt und dort habe ich meine Bestimmung gefunden. 

Hast du ein Fernstudium gemacht?

Nein, aber ich bin trotzdem sozusagen jeden Morgen in die Ferne gereist: Meine Uni liegt circa 100 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, glücklicherweise fährt aber ein Zug mit Direktverbindung fast von meiner Haustür aus dort hin. So hatte ich 80 Minuten Hin- und 80 Minuten Rückweg. Für mich war das immer hinnehmbar, nur eins brachte mich jedes Mal zum Platzen: Wenn ich wegen eines bestimmten Seminars anreiste, um dann einen Zettel an der Tür vorzufinden: „Fällt heute aus!“ 

Germanistik Studium

Wie hast du dich im Studium organisiert? Hast du dir Lernpläne gemacht?

Ich bin ein organisierter Mensch, aber Pläne waren noch nie mein Ding. Egal ob Essens-, Blog- oder Lernpläne, die setzen mich viel zu sehr unter Druck und führen bei mir eher zu Frustration anstatt zu Erfolgen. Denn es kommt erstens anders und zweitens als man denkt – wohl auch deswegen, weil ich nicht alleine bin. Will heißen: Mein Plan kann noch so toll durchdacht und ausgeklügelt sein, wenn die Magen-Darm-Grippe im Kindergarten umgeht und und ich zwei Tage lang im Stundentakt Erbrochenes aufwischen darf, ist der schönste Plan hinüber. Stattdessen verrate ich euch ein Geheimnis, was gar keines ist: Fangt früh genug an and get shit done. Oho, ja – hat man schon mal gehört, trotzdem schiebt man alles auf den letzten Drücker. Das hat bei mir ab Semester 2 nicht mehr funktioniert, da war ich nämlich Mama und musste schnell begreifen, dass ich dann etwas erledigen musste, wenn ich die Zeit dazu habe.

Ich habe mir also den Stoff frühzeitig angeschaut und realistisch geschätzt, was ich alles lernen muss. Dann ging es ans Lernzettel schreiben, wobei ich ein Typ bin, der dabei schon das meiste lernt – ich muss die Dinge einfach struktuiert vor mir sehen. Das war schon die halbe Miete, für die eigentliche Lernerei habe ich mir dann einige Tage vor der Klausur herausgenommen. In Bezug auf Haus-, Projekt- und Seminararbeiten kann ich nur empfehlen, sich ruhig auch Freistunden in den Stundenplan einzubauen. In denen sollte man dann aber nicht nur Kaffeetrinken und am Handy daddeln, sondern die Zeit wirklich sinnvoll und konzentriert nutzen. So habe ich in 90 Minuten oft einen ganzen Schwung geschafft und kam dann entspannt und mit freiem Kopf nach Hause. 

Wann hast du für Klausuren, Prüfungen etc. gelernt?

Meistens nachts. Wenn die Kinder im Bett waren, die Wohnung passabel aussah und ich das Gefühl hatte, das erste Mal am Tag etwas Zeit für mich zu haben, ging es los. Klausuren gab es vornehmlich im Bachelorstudium, im Master habe ich hauptsächlich mündliche Prüfungen oder Hausarbeiten abgeliefert. Ich kann aber nur jedem den Tipp geben, auf die Limits des Körpers zu achten. Ich habe es eine zeitlang einfach übertrieben und bis nachts um 3 am Schreibtisch gesessen, wobei um 5.57 Uhr mein Zug nach Kassel fuhr. Mein Körper verpasste mir daraufhin einen bösen Denkzettel, der mich lehrte, andere Prioritäten zu setzen. 

Hast du neben dem Studium gearbeitet?

Ja, immer. Ich war viele Semester Hilfskraft am Institut für Germanistik und habe Tutorien in den Bereichen Sprachgeschichte und Sprachwissenschaften gegeben. Später habe ich außerdem eine Stelle als Werkstudentin angetreten. Für mich gehört arbeiten einfach dazu, da ich weder nach dem PKZ-Prinzip (Papa-kann-zahlen-Prinzip, funktioniert mangels Papa nicht) lebe, noch untätig sein kann. Ich brauche einfach immer etwas zu tun, gerne auch einen Ausgleich zum Studium in Form von „echter“ (ihr versteht schon….) Arbeit. 

Germanistik Studium

Wie lange hast du an deiner Abschlussarbeit geschrieben und worum ging es genau?

Die zarten Anfänge lassen sich auf den Januar 2018 zurück datieren – da begann ich, die Bib zu durchforsten und nach passender Literatur zu stöbern. Ein grobes Thema wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon, es sollte um Magazine mit Gesundheitsthemen gehen. Also begann ich da schon mit dem Anlegen eines Korpus und bastelte mir nach und nach ein grobes Inhaltsverzeichnis. Auch das genaue Thema kristallisierte sich dann heraus: „Medizinisches Wissen für Laien. Eine linguistische Untersuchung von Patientenzeitschriften“ Im März/April war ich so richtig im Schreibprozess drin, der bis Anfang August anhielt. Abgabedatum war der 21. August. In meiner Arbeit habe ich die Experten-Laien-Kommunikation in besagten Magazinen untersucht und drei Schwerpunkte gesetzt: Die Untersuchung konzeptueller Metaphern, die multimodale Bild-Analyse sowie die Untersuchung sogenannter Frames, der Wissensrahmen. So viel nur zum groben Überblick – es würde zu weit führen, die ganzen Aspekte hier ausführlich zu erläutern. :-)

Wie sieht es im Studium mit der Vereinbarkeit von Job und Familie aus?

Sagen wir so: Ohne Hilfe schlecht, aber das ist wohl in allen Dingen so. Das Thema Job hatte ich ja schon angeschnitten, das funktioniert super, wenn man die Pobacken zusammenkneift. In puncto Familie habe ich an einer familiengerechten Hochschule studiert, wo man als Eltern beispielsweise ein bevorzugtes Kurswahlrecht hat und auch sonst die ein oder andere Annehmlichkeit „genießen“ darf. Ich habe beispielsweise mal statt einer Klausur eine Hausarbeit schreiben dürfen, weil ein Kind krank war. Hier gilt immer: Wenn du nicht fragst, lautet die Antwort nein. Oft muss man einfach nur den Mund auftun und sagen, wo der Schuh drückt – fast alle meiner Dozenten hatten Verständnis und wir haben immer eine Lösung gefunden. Gut, ein Doofer war für die Quote dabei – aber sonst lief alles bestens. Ansonsten war meine Mama immer für mich da und hat meine Söhne betreut, wenn ich nach Kassel gedüst bin. Das war (nur) zwei bis drei Mal pro Woche der Fall, mehr Tage wollte ich nicht wegbleiben und habe deswegen auch etwas länger für mein Studium gebraucht. Eine Fremdbetreuung der Kinder unter drei Jahren kam für mich nicht in Frage. Meines Erachtens ist man im Studium sogar noch relativ frei und kann sich Dinge herausnehmen, die später im Berufsleben nicht mehr funktionieren. Es ist also sicher kein Drama, kein Weltuntergang und auch nicht das Ende einer Karriere, während des Studiums Kinder zu kriegen. Im Gegenteil – ich bin nun fertig und habe zwei große Schul-Jungs!

Was machst du nach dem Master?

Ich arbeite im Bereich Marketing/Unternehmenskommunikation eines Klinikkonzerns. Meine Aufgaben dort sind unter anderem das Verfassen von Texten für web und print sowie die Gestaltung von Werbemitteln wie Flyern, Postern etc. Ihr merkt: Das Thema meiner Masterarbeit lässt sich hiermit wunderbar verknüpfen! 

Ich hoffe, ich habe eure Fragen ausführlich genug beantwortet und konnte euch umfassend informieren. Wenn euch noch etwas unter den Nägeln brennt, immer her damit!

Eure Marie 

41 Kommentare
  1. Dahi Tamara
    Dahi Tamara says:

    Glückwunsch für den gelungenen Abschluss! Ich habe es nicht so weit gebracht, aber ich bin auch eher ins Studium reingeschlittert. Eine schlechte Idee, wobei alle Entscheidungen des Lebens, auch die unbewussten, zu Erfahrungen führen, weshalb man ja nie wirklich verloren hat. Am Ende ist man immer schlauer.

    Liebe Grüße
    Dahi Tamara

    Antworten
  2. Linni
    Linni says:

    Hallo Liebes
    das ist ja mal spannend. Ich wusste z.B. noch gar nicht, dass du Kinder hast! Es ist immer wieder schön etwas persönliches über die Autoren zu erfahren. Finde es super, dass du nun alles hinter dir hast und hoffe, dass du nun auch mit dem Ergebnis zufrieden bist. Aber es klingt ja ganz danach!

    Liebst Linni

    Antworten
  3. Bea
    Bea says:

    Herzlichen Glückwunsch! Tolle FaQ’s, finde es toll, dass Du das für Dich richtige Studium gefunden hast. 1,5 er Abi! Ich bin beeindruckt!

    Lieben Gruß, Bea.

    Antworten
  4. Milli
    Milli says:

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zum fertigen Studium. Ich musste auch immer zur Uni pendeln und das ist etwas, dass ich so gar nicht vermisse. Ein Semester habe ich den Spaß mit dem Zug gemacht und letztendlich bin ich dann nur noch Auto gefahren. Die Zugverbindung war leider mit umsteigen und langen Wartezeiten verbunden. Also Respekt, dass du das wirklich so mit dem Zug durchgezogen hast :-)

    Liebe Grüße, Milli

    Antworten
  5. Freyja
    Freyja says:

    Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss. Ich habe es leider gerade nicht so leicht. Ich würde gerne Lehramt studieren und werde trotz meiner eigentlich perfekten Eignung nicht zu gelassen. Das System ist einfach nicht gut durchdacht. Ich hoffe aber, dass es noch was wird.
    Liebste Grüße
    Freyja

    Antworten
  6. Carry
    Carry says:

    Wow das klingt nach einem echt tollen Studiengang, das hätte mir sicherlich auch gefallen :) Und hezrlichen Glückwunsch zu deinem Abschluss! Ich kann mein Zeugnis seit August in den Händen halten :)

    Antworten
  7. Avaganza
    Avaganza says:

    Liebe Marie,

    ich finde es toll wie du dein Studium gemanaged hast! Jeder der ein Studium neben Jobs und Familie durchzieht ist für mich ein Held. Besonders schön finde ich dass du jetzt den perfekten Job für dich gefunden hast :-)!

    lg
    Verena

    Antworten
  8. L♥ebe was ist
    L♥ebe was ist says:

    ohh erstmal herzlichen Glückwunsch meine Liebe! ich glaube, da fallen einem doch erstmal alle Steine vom Herzen :)
    ich bin mir zumindestens sicher, dass das bei mir auch so sein wird, wenn ich fertig bin!

    cooles FAQ :D

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina

    Antworten
  9. Busymamawio
    Busymamawio says:

    Liebe Marie,
    Hut ab und herzlichen Glückwunsch zum abgeschlossenen Studium! Ich habe mit einem Kind eine Berufsausbildung gemacht und das war schon nicht ohne. Ein Studium und dann noch 100 km pendeln finde ich schon eine riesen große Leistung!
    Viele Grüße
    Wioleta

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] über der ich seit Beginn des Jahres schwitzte. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem seien meine FAQ zum Studium ans Herz gelegt – hier möchte ich nur zum Hintergrund erwähnen, dass ich für Urlaub […]

Dein Kommentar

Hinterlasse mir einen Kommentar.
Ich freue mich auf deinen Beitrag!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.