Das Leben mit Zwillingen. Oder: Life on the first floor

 Part 1: „Oh, Zwillinge!“

Nach meiner bislang mehr als eineinhalb Jahre währenden Karriere als Zwillingsmutter könnte ich eigentlich schon ein ganzes Buch schreiben, aber zunächst soll ein kleiner Blogeintrag genügen.

Bestimmt spalten sich schon bei diesem Artikel die Lager, nämlich in die „Ach, wie schön!“- und die „Oh mein Gott“-Fraktion. So ist das auch im echten Leben –  Wer Zwillinge hat, erlebt die unterschiedlichsten Reaktionen. Kaum traut man sich mit seinen zwei Mäusen in die Öffentlichkeit, geht es auch schon los: Die ersten Schaulustigen möchten den Inhalt des Kinderwagens bestaunen und blöken lauthals, die möglicherweise gerade eingeschlafenen Kinder dabei nicht aus den Augen verlierend: „Naa, Jungs, Mädchen oder beides?“ Die kleinen Menschen tragen blaue Mützen, blaue Jacken und blaue Hosen, in den Mündchen stecken blaue Schnuller, auf den Schuhen erkennt man Piraten. Typisch Mädchen eben. Hätten wir das geklärt.

Nachdem die Formalitäten wie Name, Alter, eineiig oder zweieiig und Wohnort erörtert sind, kommen die entscheidenden Fragen: „Das sind aber nicht Ihre?!“ und „Anstrengend, so ein Doppelpack, hmm?“ Nein, das sind nicht meine, ich habe diese beiden Kinder eben dort hinten im Park aufgelesen, keine Ahnung, wem sie gehören. Ich fahre sie bloß spazieren und singe dabei Rolf Zuckowski. Und ob sie anstrengend sind? Um ehrlich zu sein: Sie schlafen schon sei dem zarten Alter von fünf Monaten durch und sind wirklich lieb. Aber es sind eben zwei kleine Wesen, die versorgt werden wollen. Das ist die ehrliche, ungeschönte Wahrheit.

Diese Art von Gespräch führt man mindestens fünf Mal am Tag und ich bin jedes Mal stolz, wenn mich jemand auf meine Jungs anspricht. Viele interessieren sich tatsächlich für uns, ältere Damen erzählen oft von ihren eigenen Enkeln, die weit weg wohnen, bestaunen meine „hübschen Kerle“ und wünschen uns schließlich alles Gute.

Doch dann gibt es auch noch andere Reaktionen, mit denen ich weniger gut klarkomme: Von  „Zwillinge! Ich würde mir die Kugel geben!“ über „Ach du scheiße, Sie Arme!“ bis „Meine Güte, Zwillinge, das würde mich belasten!“ ist alles dabei. Mittlerweile verstehen die Zwerge immer mehr von ihrer Umwelt und ich finde es traurig, einem Kind erklären zu müssen, warum andere Menschen derart auf sein Dasein reagieren. Liebe Leute, spart euch doch einfach diese Kommentare, ihr wisst nämlich nicht, was ihr verpasst. Ihr habt freie Hand bei eurer eigenen Lebens- und Familienplanung, eure Meinung zu der unsrigen interessiert herzlich wenig.

So düsen wir mit unserem TfK Twinner Twist Duo erhobenen Hauptes weiter und trällern das Lied von den zwei langen Schlangen… Die kriechen durch den Fluss und geben sich am anderen Ende einen dicken Kuss!

Wieso diese Kolumne „Life on the first floor“ heißt und was überhaupt ein TfK Twinner Twist Duo ist, das werde ich beim nächsten Mal auflösen!

Eure Marie

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